Alaska Teil 1 | ein kleiner Ort namens “chicken” fernab von jeglicher Zivilisation
Nachdem wir unseren Wagen in Dawson City sorgfältig geputzt hatten, die vielen Steinschläge vom Dempster Highway beseitigt und uns für den bevorstehenden Grenzübergang informiert hatten, ging unsere Reise weiter nach Alaska.
Wir starteten in Dawson City mit einer kleinen kostenlosen Fähre über den Yukon River und schlängelten uns auf dem Top of the world Highway weiter zum Grenzübergang.
Der Top of the world Highway verbindet Alaska mit dem Yukon/Kanada.
Insgesamt sind es von Dawson City, Yukon nach Tok, Alaska 281 km.
Unter einem Highway solltet ihr euch jedoch keine gut asphaltierte Straße vorstellen sondern vielmehr eine sehr kurvige, bergige Straße mit etlichen Schlaglöchern. Auf der gesamten Strecke wechselt der Untergrund oft zwischen von schmelzendem permafrost Boden geplagten Teilen und schlechten Schotterstraßen. Im Gegensatz zum Dempster Highway wirkte der Highway auf uns eher weniger gut präpariert und deutlich weniger frequentiert.
Zu beachten ist auch, dass der Highway nur in den Sommermonaten offen hat.
Der Name „Top of the world Highway“ ergibt sich durch die Lage des Highways- denn den Großteil fährt man direkt auf dem Bergkamm und hat somit eine wunderschöne Aussicht.
Den Highway sowie die wunderschöne Aussicht konnte jedoch nur einer von uns beiden so richtig genießen. Tommy hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt Fieber, sowie Gliederschmerzen und versuchte sich auf dem Beifahrersitz auszuruhen.
Weil wir an mehreren Aussichtspunkten anhielten und generell immer etwas langsamer unterwegs sind, erreichten wir den Grenzübergang nach ein paar Stunden.
Der Grenzübergang Poker Creek/Little Gold Creek ist Nordamerikas nördlichster internationaler Grenzübergang und besteht hauptsächlich aus einem kleinen Häuschen. Die Grenze ist von Juni bis September geöffnet und weicht ab und zu von den Öffnungszeiten des Highways ab.
Wenn man die Grenze über den Landweg überquert, sind bestimmte Lebensmittel nicht erlaubt. Wie z.B.: Bananen, Zitrus Früchte, Beeren, Knoblauch, Tomaten.
Alle wichtigen Informationen könnt ihr hier nachlesen.
Wir sind es gewohnt, dass es für einen Grenzübergang zwei Grenzposten gibt. Einer für das Ausreiseland, der andere für das Einreiseland. Nachdem Kanada und die USA scheinbar ihre Daten übermitteln, gab es hier nur einen einzigen Grenzbeamten. Zusätzlich sind wir davon ausgegangen, dass wir einen Stempel bekommen, das war ebenfalls nicht der Fall. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass das System seit der Corona Pandemie umgestellt wurde und somit alles elektronisch passiert. Da dies noch in der Umstellungsphase ist, kommt es oft noch zu ein paar Unklarheiten. Aus diesem Grund, wurden wir bei unseren nächsten Grenzübergängen meistens verwundert angeschaut, als wir keinen Stempel in unseren Reisepässen vorweisen konnten.
Beim Grenzübergang händigten wir unsere Pässe mit dem darin vorhanden B2 Visum an den freundlichen Beamten aus und warteten etwas nervös auf eine weitere Reaktion im Van. Bevor uns die Pässe wieder ausgehändigt wurden, mussten wir noch ein zwei Fragen bzgl Waffen, Drogen, Lebensmittel beantworten und durften danach weiterfahren.
Das B2 Visum ist für maximal 180 Tage gültig und beläuft sich in der Regel auf einen Zeitraum von 10 Jahren. Es darf allerdings nur zu privaten beziehungsweise zu touristischen Zwecken genutzt werden. Wir haben uns damals für das B2 Visum entschieden, da wir eine längere Reise durch die USA geplant hatten und gerne etwas langsamer unterwegs sind. Tommy hatte das B2 Visum schon und musste daher kein neues beantragen. Hannah konnte das Visum sehr unproblematisch im US Konsulat München beantragen. Nachdem es mehrere Monate bis zur tatsächlichen Ausstellung des Visums dauern kann, empfehlen wir euch sich rechtzeitig um einen Termin im Konsulat zu kümmern und sich auf diesen gut vorzubereiten.
Folgende Unterlagen haben wir, neben dem dazugehörigen Onlineformular, zu dem Interviewgespräch mitgenommen:
- finanzielle Nachweise
- Routenplanung
- Meldeschein
- Reisepass
- Arbeitsvertrag
- Lebenslauf
- Passfoto
Nachdem wir den Grenzübergang und die Nervosität hinter uns gelassen hatten, ging es weiter nach Chicken. In Chicken warteten auch schon Kari und James auf uns. Wir parkten direkt neben dem kleinen Cafe und freuten uns auf unsere erste Nacht in Alaska.
Chicken ist ein Ort fernab jeglicher Zivilisation. Der Ort liegt zwischen Tok und Dawson City. Angeblich leben hier im Winter nur bis zu 9 Personen. Im Sommer hingegen, aufgrund des noch aktiven Goldrausches, kann die Population bis auf 50 Personen steigen. Der Name entstand anscheinend nach einem Treffen der ansässigen Bergleute. Man versuchte einen Namen für das Dorf zu finden und jemand schlug „Ptarmigan“ („Schneehuhn“ auf Deutsch) vor- Schneehühner gibt es anscheinend in einer großen Zahl in dieser Gegend. Die Bergleute fanden den Namen toll, aber keiner konnte ihn aussprechen. Somit entschieden sie sich für „Chicken“.
Unter Chicken solltet ihr euch vielmehr ein winziges Dorf aus 3 Holzhütten vorstellen.
Einen Souvenirladen der gefüllt ist mit „Downtown Chicken“ Merchandise. Ein kleines Cafe und eine Bar die mit BH’s und Unterwäscheresten an den Wänden ausgekleidet ist.




Am nächsten Tag reisten wir gemeinsam weiter Richtung Norden. Auf dem Weg stoppten wir kurz bei North Pole, fuhren weiter nach Fairbanks und füllten unseren Kühlschrank mit teuren Lebensmitteln von Walmart auf.
Da wir eine Fähre von Haines nach Vancouver Island gebucht hatten und uns die vielen Reparaturen im Vorfeld etwas aufhielten, mussten wir am nächsten Tag auch leider schon wieder weiter fahren. Unser Ziel: der „Stampede Trail“.
Der Stampede Trail führte zum berühmten „Magic Bus“ in dem Christopher McCandless im Jahr 1992 mehrere Monate lebte. (Film und Buch -„Into the wild“)
Der Trail ist eine Mehrtages-Wandertour und ist insgesamt 65 km lang. Es gibt zwei große Flussüberquerungen und Moskitos können zu einer Plage werden. Bären sind auf dem Weg auch keine Seltenheit. Der schwerste Teil ist angeblich die zweite Flussüberquerung. Die Strömung ist ziemlich stark und der Wasserstand kann sich ständig ändern. Anscheinend mussten schon mehrere Wanderer gerettet werden und zwei Personen sind gestorben.
Der „Magic Bus“ wurde aufgrund dessen mit einem Helikopter ausgeflogen und daraufhin nach Fairbanks transportiert. Nun kann der Bus im „Museum of the North“ besichtigt werden. Zusätzlich gibt es ein Replikat und die dazugehörige Geschichte vor einer Bar in Healy, Alaska.



Leider konnten wir die Wanderung, aufgrund der begrenzten Zeit und sehr starken Regenschauern nicht machen. Nichtsdestotrotz hatten wir einen weiteren gemütlichen Abend mit Kari und James.
Im Nachhinein betrachtet hätten wir auch die Fahrt von Tok nach Fairbanks auslassen können. Für uns wäre es wahrscheinlich besser gewese, von Tok bzw. Delta Junction über den Denali Highway Richtung Süden zu fahren. Dann hätten wir auch etwas mehr Zeit auf der schönen Halbinsel verbringen können. Von dieser erzählen wir euch dann im nächsten Kapitel.