mitten im nirgendwo - tuktOyaktuk
Gemeinsam mit Kari und James, einem vollen Tank und einem niedrigeren Reifendruck startete unsere Reise auf dem Dempster Highway.
Unser Ziel: Tuktoyaktuk am Nordpolar Meer
Der Dempster Highway startet 40 km südlich von Dawson City/Yukon und verläuft über den Arctic Circle weiter nach Inuvik/Northwest Territories. Ab Inuvik startet der Inuvik-Tuktoyaktuk Highway und endet in Tuktoyaktuk//Northwest Territories.
Insgesamt sind es 874 km Schotterstraße mit zwei Fährübergängen. Die Schotterstraße, die den Permafrostboden vor der Erwärmung schützt, wird bei Regen oder Schnee zu einer echten Schlammstraße.
874 km Schotterstraße klingt wie ein Katzensprung?
Um erstmal auf den Highway zu gelangen, reisten wir bisher schon von Vancouver/Britisch Kolumbien, über den Alaska Highway nach Whitehorse und von dort aus weiter nach Dawson City/Yukon. Das waren schon etwas über 4000 km.
Wir haben uns vor der Reise gut auf das Abenteuer vorbereitet und empfehlen euch wärmstens folgende Dinge mit einzupacken:
- Ein gutes paar All-Terrain Reifen inkl. Ersatzreifen und Reifenflick-Set
- Reservetank (die erste Tankstelle „Eagle Plains“ erreicht man erst nach über 300 km und Inuvik nach ca 700km)
- ausreichend Wasser und Nahrung
- Reiseapotheke
- Bargeld (in unserem Fall hat z.B. das Kreditkartenlesegerät der Eagle Plains Tankstelle nicht funktioniert)
Schon auf den ersten paar Kilometern trafen wir viele Motorradfahrer, Camper, Vanlifer, LKW Fahrer und mussten sogar beim Arctic Circle Schild Schlange stehen um ein Foto zu bekommen.
Im Gegensatz zu unseren Erwartungen war der Dempster Highway außerordentlich gut präpariert, unsere Befürchtungen, im Notfall Stunden oder tagelang auf Hilfe zu warten, hatten sich somit gelegt.
Auf dem Weg Richtung Norden schlugen wir zweimal unser Camp auf, das erste mal kurz vor der ersten Fähre.
Für die Fährübergänge bedarf es im Übrigen kaum Planung. Sie sind für alle Passagiere kostenlos, müssen nicht reserviert werden und fahren von 8 Uhr morgens bis kurz vor Mitternacht (Stand: Sommer 2022)
Weitere Informationen dazu könnt ihr hier nachlesen.
Das zweite mal campten wir auf einem Parkplatz in Inuvik. Hier nutzten wir den winzigen Skatepark aus und füllten unseren Tank mit teurem Diesel auf. Im Skatepark erzählten uns Kinder, dass es zu diesem Zeitpunkt viel zu heiß ist und sie sich schon auf den Winter freuen- Im Winter kann es bis zu minus 50 grad haben. Durchschnittstemperatur ist allerdings um die minus 20 Grad.
Nach einer eher kurzen Nacht, aufgrund der vielen Moskitos in unserem Van, ging die Fahrt weiter zum Nordpolar Meer. Die Fahrt war spektakulär, staubig und ziemlich heiß- zu diesem Zeitpunkt zeigte das Thermometer 30 grad an. Wir konnten aufgrund der staubigen Straße weder die Fenster aufmachen, noch hatten wir eine funktionierende Lüftung.
Da Kari und James immer etwas schneller unterwegs waren, erreichten sie Tuktoyaktuk vor uns. Wir erreichten unser Ziel ein paar Stunden später.
Tuktoyaktuk ist der nördlichste befahrbare Ort des kanadischen Festlandes und heißt übersetzt: „Ort, der einem Karibu ähnelt“.
Erst seit 2017 besteht eine ganzjährige Straßenanbindung von Inuvik nach Tuktoyaktuk. Davor erreichte man Tuktoyaktuk nur mit dem Flugzeug, Boot oder im Winter mit dem Schneemobil.
Die Landschaft, sowie die Häuser in diesem Ort wirken wie von einer anderen Welt. Die kleinen Holzhütten stehen auf Stelzen um den Permafrostboden zu schützen.
Dieser wird jedoch genutzt um ungefähr 10 Meter unter dem Ort Lebensmittel wie zum Beispiel Karibu Fleisch und Beluga-Öl zu lagern und zu kühlen- leider konnten wir den sogenannten „Dorfkühlschrank“ nicht besuchen, da er zu diesem Zeitpunkt für Besucher geschlossen war.
Vor den Hütten sieht man hauptsächlich Schneemobile, riesige Geweihe und Kinderspielzeug.
In Tuktoyaktuk campten wir direkt am Wasser. Wir spielten Mexican-Domino, grillten gemeinsam und genossen die Mitternachtssonne im T-shirt.
Der nächste morgen startete mit einem kleinen Schock:
Hannah wachte mit Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf. Sie biss nichtsdestotrotz die Zähne zusammen und sprang in das Nordpolar Meer und auf das SUP um zwischen den Eisfeldern zu paddeln.
Der Rückweg gestaltete sich etwas komplizierter- das Fieber und die Kopfschmerzen wurden schlimmer und die Hitze unerträglicher.
Hannah versuchte sich auf der Beifahrerseite einen Schatten mit Tüchern zu bauen und Tommy musste die fast 1000 km Schotterstraße hinter dem Steuer sitzen.
Zurück in Dawson City freuten wir uns auf eine ausgiebige Dusche. Danach schrubbten und putzen wir den Van und versuchten den Staub loszuwerden. Die etlichen Steinschläge unter unserem Van konnte Tommy so gut wie möglich abschleifen und die Stellen danach neu lackieren.
Nach eineinhalb Tagen putzen und schrubben, konnten wir das Abenteuer mit Kari und James fortsetzen.